Sind Vergewaltigungen in Games okay?

Sind Vergewaltigungen in Games okay?

7. März 2019 0 Von Johnny

Rape Day ist das neueste Wut-Thema der Steam-Community. Die User zeigen sich entsetzt, dass Valve ein Spiel durchwinkt, bei dem es darum geht, während einer Zombie-Apokalypse Frauen zu vergewaltigen. Die Diskussion ist komplexer, als es zunächst den Anschein hat.

Das von der Indie-Firma Desk lamp entwickelte Rape Day ist ein Visual Novel, also eine in Bildern und Dialogen erzählte Geschichte, die der Spieler durch Entscheidungen beeinflussen kann. Diese betreffen in erster Linie die Initiierung und den Verlauf diverser Vergewaltigungen.

So schön man sich über das Spiel aufregen kann, soll es hier doch um den weiteren Kontext gehen. Rape Day ist eine offensichtliche Anspielung auf den Begriff rape play, der in der SM-Szene für fingierte Vergewaltigungen verwendet wird. Wenn ich in der Realität diese Fantasie ausleben darf, dann in einem Videospiel doch erst recht, oder?

Rape Day erregt die Gaming-Community

Rape Day ist nicht das erste Spiel, das versucht (und es schafft) über eine Aufrege-Thematik in die Presse zu kommen. Beispiele gibt es viele: Call of Duty: Modern Warfare 2 hatte die Flughafen-Sequenz, in der die Spieler als Terrorist massenweise Zivilisten erschießen. Hatred ist quasi ein Serienmörder-Simulator. Und Active Shooter stellt einen Amoklauf nach.

Active Shooter wurde von Valve zwar verbannt, doch nicht wegen dem Mord an Dutzenden Schülern. Ethik spielte bei der Entscheidung keine Rolle. Stattdessen wurde der Titel als Troll-Spiel wahrgenommen, also Produkt, das nur existiert, um andere zu provozieren. Dies verstößt gegen die Steam-Richtlinien, die ansonsten sehr nachsichtig sind.

Aus diesem Grund könnte es also ab April möglich sein, auf Steam ein Vergewaltigungs-Spiel zu erwerben. Es sei denn, Valve nimmt Rape Day auf Grund der negativen Presse vor dem Launch doch noch von der Plattform. Die viel interessantere Frage ist allerdings, ob sie es aus ethischen Gründen tun sollten.

Dürfen die das?

Bei Rape Day handelt es sich um reine Fantasie und es kommt niemand zu schaden. Ergo sollte das Spiel im Namen der künstlerischen Freiheit auf Steam erscheinen. Dies ist ein durchaus vertretbarer Standpunkt, den ich im Falle von anderen Medien wie Büchern und Filmen sofort unterschreiben würde. Bei Games ist die Sachlage allerdings etwas komplexer.

Medien ohne direkte Interaktion erzählen geschlossene Geschichten. Der Urheber setzt eine Idee um und wird im Idealfall nicht zensiert. Wir reden hier wohl gemerkt von Fiktion. Selbst wenn bestimmte Minderheiten umgebracht oder wie in Rape Day vergewaltigt werden, so ist das eben Teil dieser spezifischen Story. Die Intention der Urheber ist erst einmal egal.

Selbst direkt Betroffene haben für mich kein Recht, solche Fiktionen zu verbieten. Im Fall von Rape Day heißt das: Nur weil ich vergewaltigt wurde, habe ich nicht das Recht, jegliche Darstellungen von Vergewaltigungen zu verbieten. Ich habe lediglich das Recht, dass mir gegenüber sensibel mit dem Thema umgegangen wird.

Auch das Argument von Feministinnen, Frauen würden hier nur als Opfer und Sexobjekte dargestellt, ist für mich haltlos. Denn Männer werden hier als lustgesteuerte Vergewaltiger dargestellt. Es handelt sich um Stereotypen, die eine spezifische Fantasie unterstützen. Allerdings wäre ich als Gleichstellungsmaßnahme für die Option, im Spiel auch Männer vergewaltigen zu können.

Press X to rape

Das einzig vernünftige Argument gegen eine Veröffentlichung von Rape Day ist für mich das der Interaktivität. Valve hat als Betreiber einer Plattform für Videospiele mehr Verantwortung als beispielsweise Netflix. Kate hat in ihrem Artikel über die Auswirkungen vom Zocken auf das Gehirn dargelegt, wie stark der Einfluss von Spielen auf das Denkorgan sein kann.

Eine der vielen Studien legt allerdings nahe, dass Gewaltanwendung in Spielen (in dem untersuchten Fall ein Shooter) nicht dazu führen, dass Spieler abstumpfen und etwa Gewalt in der Fiktion und in der Realität nicht mehr unterscheiden können. Das heißt, eine virtuelle Vergewaltigung führt noch lang nicht zur Umsetzung in der Realität. Laut den Entwicklern wird das Spiel durch die kontroverse Diskussion von historischer Relevanz sein. Dies lässt sich ganz einfach verhindern, in dem wir Rape Day als den geschmacklosen Schund abtun, der er ist und uns wieder Spielen zuwenden, die uns auf andere Art erregen.