Kingdom Hearts ist ein personifizierter Teenager

Kingdom Hearts ist ein personifizierter Teenager

1. März 2019 0 Von Johnny

Kingdom Hearts 3 spaltet die Zockergemeinde. Ist das Spiel der krönende Abschluss einer der populärsten Trilogien der Videospielgeschichte oder kitschiger Nippon-Trash? Die Antwort: Beides.

Für Hardcore-Fans ist die Sache ohnehin klar: Kingdom Hearts 3 vollendet endlich Soras Geschichte und steht deshalb außerhalb jeder Kritik. Das Spiel bringt noch einmal alle bekannten Charaktere auf die Bühne und beendet die meisten aufgemachten Handlungsbögen.

Wer noch nie einen Titel der Reihe gezockt hat, wird sich hingegen schwer tun. Selten habe ich ein Spiel gesehen, das so in medias res beginnt. Um Story, Plot, Lore und Charaktere auch nur annähernd zu verstehen, ist im Vorfeld eine stundenlange Recherche nötig. Im Menü des Spiels ist zwar eine Zusammenfassung vergangener Teile enthalten, doch reicht dies bei weitem nicht aus.

Und dann wären da noch Spieler wie ich, die lediglich die beiden Hauptteile gespielt haben. Auch wir verstehen von der Story höchstens die Hälfte. Viel eklatanter jedoch: Kingdom Hearts 2 erschien vor über zwölf Jahren. Die meisten von uns befanden sich damals in einem völlig anderen Lebensabschnitt. Die Serie jetzt wieder zu spielen, fühlt sich merkwürdig an.

Ohnehin erinnert KH3 stark an JRPGs aus den frühen 2000ern. Der Flashback ist durchaus nostalgisch, auf der anderen Seite aber auch ein bisschen Fremdschämen. Eben so, als würde man sich an seine Jugend erinnern. Natürlich hat man viele coole Dinge erlebt. Einiges ist uns aber auch peinlich und sollte vielleicht lieber im Äther der Vergangenheit verweilen.

KH3 sieht aus wie ein modernes Spiel. Das macht die stereotypen Charaktere im Anime-Style und die hölzernen, vor Gefühlsduselei triefenden Dialoge allerdings noch unkomfortabler. Die Story (oder die Präsentation dieser) ist für mich der schwächste Aspekt – aber der Titel suhlt sich geradezu darin. Ewig lange Filmsequenzen sind ein Relikt der Jahrtausendwende und KH3 trägt dieses wie eine Trophäe vor sich her.

Ohne Nostalgie funktioniert KH3 nicht. Und das nicht nur wegen der Disney-Filme unserer Kindheit und Jugend, die das Setting bilden. Auch diverse Gameplay-Mechaniken und vor allem das Storytelling sind in der Vergangenheit verankert. Aus diesem Grund ist das Game nur absoluten Disney-Fans zu empfehlen – oder Spielern, die sich gerne an ihre Teenagerzeit erinnern wollen.