Nintendo ohne eigene Konsole – geht das?

Nintendo ohne eigene Konsole – geht das?

18. Januar 2019 0 Von Johnny

Die Aussage von Nintendos Präsident Shuntaro Furukawa lässt aufhorchen. Das Unternehmen sei nicht mehr an ihre Konsolen gebunden und lege viel mehr Wert darauf, sich flexibel den Anforderungen der Unterhaltungsindustrie anpassen zu können. Heißt das, Nintendo als Dritthersteller könnte bald Realität sein?

Nintendo ist also nicht mehr auf ihre Konsolen fixiert. Das sind ganz neue Töne aus Kyoto. Und dazu noch in Zeiten der Switch, die auf dem Weg ist, eine der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten zu werden. Nintendo ist nicht das, was es einmal war. Doch das muss nicht unbedingt schlecht sein.

Nintendo und ihre Geräte ließen sich bisher grob in zwei Perioden einteilen: Die Ära Yamauchi und die Ära Iwata. Die Yamauchis, denen Nintendo seinen Existenz verdankt und die drei Präsidenten stellten, standen stets für knallharte Tradition. Hiroshi Yamauchi, der das Unternehmen vor Iwata führte, hatte nur wenig persönliches Interesse an Videospielen.

Die Firmenstruktur und somit auch das Handeln waren stark von Yamauchis konservativer Einstellung geprägt. Darunter fallen auch fragwürdige Entscheidungen, wie beim Nintendo 64 weiter auf Cartridges zu setzen oder beim Gamecube auf DVDs zu verzichten. Als Yamauchi 2002 das Amt an Iwata übergibt, befindet sich Nintendo in einer schlechten Position.

Microsoft und Sony verweisen den einstigen Branchenprimus mit ihren Geräten Xbox und Playstation 2 auf den dritten Rang. Für Microsoft ist es wohlgemerkt die erste Konsole. Iwata gibt sich zusammen mir Shigeru Miyamoto und Reggie Fils-Aime Mühe, die Konsolengeneration gut zu Ende zu bringen. Die Spiele können überzeugen, aber der Gamecube selbst wird mit knapp über 20 Millionen Einheiten zu Nintendos bis dahin am schlechtesten verkaufter Heimkonsole.

Doch erst nach dem Ableben des Würfels beginnt die Ära Iwata so richtig. Mit der Wii und dem DS folgen zwei innovative Geräte die zwar, besonders im Fall der Wii, nicht unumstritten sind, sich jedoch extrem gut verkaufen. Beide Konsolen knacken die 100 Millionen Marke, der DS verkauft sich gar über 150 Millionen mal. Der Schlüssel: technische und wirtschaftliche Innovation.

Iwata, der sich vom Spielentwickler zum Präsidenten hochgearbeitet hatte, stirbt 2015. Auf den ersten Blick wird das Unternehmen in seinem Sinn weitergeführt. Die Switch ist so etwas wie die Wii 2.0 – technisch der Konkurrenz unterlegen aber überzeugend durch exklusive Features und eine gelungene Marketing-Kampagne. Alles wie gehabt, oder? Nicht ganz.

So innovativ Nintendo unter der Führung von Iwata auch war, es gab immer einige Säulen, die nie angetastet wurden. Dazu gehörten eigene Konsolen, auf denen die First-Party-Spiele am besten zur Geltung gebracht werden konnten. Nintendo beharrte zudem auf einer Blue-Ocean-Strategie, der Erschaffung eigener Märkte und neuer Käuferschichten.

Der Grund hierfür ist, dass Nintendo im Red-Ocean keine Chance hätte. Sony und Microsoft bekriegen sich mit technisch beinahe gleichwertigen Geräten und kaufen regelmäßig Spiele, Exklusivinhalte und ganze Studios. Dass Nintendo gegen diese Weltkonzerne finanziell nicht ankommt, ist offensichtlich. Der Gamecube hat gezeigt, dass bekannte Marken alleine nicht reichen, um Konsolen zu verkaufen.

Nun steht mit Furukawa jedoch ein Mann aus der Wirtschaft an der Spitze des Unternehmens. Wenn dieser der Meinung ist, man könne mit Software alleine mehr Gewinne einfahren als mit eigenen Konsolen, wird er diesen Weg einschlagen. Viele hatten sich zu Zeiten der Wii U ohnehin gewünscht, Nintendo möge doch zum Third-Party-Entwickler werden.

Auf mobilen Geräten gibt es ja bereits einige Nintendo-Marken. Können wir auch bald Mario und Zelda auf der Playstation spielen? Es scheint zumindest nicht mehr ausgeschlossen. Wobei es fraglich ist, wie viele Konsolen Sony und Microsoft noch herausbringen werden. Selbst diese Unternehmen wollen ihre Software möglichst weit vertreiben.

Einerseits muss natürlich auch Nintendo im Blick haben, dass Hardware immer unwichtiger wird. Andererseits wäre es ungeschickt dieses Geschäft aufzugeben, bevor es nicht wirklich notwendig ist. Nintendo macht nicht nur durch die Hardware-Verkäufe Geld, sondern kassiert auch für jedes verkaufte Spiel eines Drittherstellers.

Zudem ist es fraglich, ob sich Nintendo-Spiele wirklich besser verkaufen, wenn sie auf mehreren Plattformen erhältlich wären. Würde ein Animal Crossing auf Steam oder einer Playstation nicht untergehen? Im roten Ozean würden Nintendos Spiele direkt mit denen der Konkurrenz verglichen werden. Eine schwächere Grafik oder fehlende Online-Features würden dann nicht mehr so leicht verziehen werden.

Nintendos Stärke sind nicht nur die Spiele, sondern auch das Drumherum. Ohne Konsole auf dem Markt, würde man diese Marke schwächen. Die derzeitige Taktik, sich auf nur ein eigenes Gerät zu konzentrieren und sich zusätzlich umzusehen, welche Märkte noch interessant sind, sollte mittelfristig beibehalten werden. Was danach kommt, das scheint momentan ohnehin niemand in der Branche so richtig zu wissen.