Influencer vs. Entwickler – Die nächste Runde ist eröffnet

Influencer vs. Entwickler – Die nächste Runde ist eröffnet

21. Dezember 2018 0 Von Johnny

Der Kampf Entwickler gegen Influencer geht in die nächste Runde. Diesmal heißt es: PewDiePie vs. Ubisoft, oder besser gesagt, eine Entwicklerin des Unternehmens gegen die Fanbase des Youtubers. Kein fairer Kampf, wie sich herausstellt.

Wo sind sie, die strahlenden Persönlichkeiten der Videospielbranche? Kaum noch vorhanden, muss die Antwort lauten. Die kurze Kult um Game Designer scheint vorüber. Cliff Bleszinski oder John Romero, einst bekannte Namen, sind nur noch Schall und Rauch. Einstige Ikonen wie Hideo Kojima und Shigeru Miyamoto nimmt man in Öffentlichkeit kaum noch wahr. Andere halten sich bewusst bedeckt und überlassen den PR-Abteilungen die Außendarstellung.

Die neuen Stars am Video-Popkulturhimmel sind, wie in vielen anderen Branchen auch, Influencer – Youtuber, Twitch-Streamer und Instagramer. Einigen Entwicklern scheint dies aber gar nicht zu gefallen. Sie ackern Tag für Tag an den tollen Spielen und diese Figuren ernten dann den ganzen Ruhm und zerreißen in vielen Fällen auch noch das Produkt. So nicht, denkt sich mancher Entwickler und macht sich daran, selbst für Schlagzeilen zu sorgen.

Boykottiert PewDiePie – boykottiert The Division 2

So auch Dianna Lora, Entwicklerin bei Ubisoft und momentan mit der Fertigstellung von The Division 2 beschäftigt. In einem Tweet ruft sie die gesamte Videospielindustrie zum Boykott gegen PewDiePie auf. Hintergrund: Der Youtuber wollte seine Reichweite (77 Millionen Abonnenten) nutzen, um durch sogenannte Shoutouts einige kleinere Kanäle zu fördern. Darunter auch E;R, der sich in erster Linie mit Themen wie Anime und Popkultur im Allgemeinen beschäftigt. Das Problem dabei: E;R gibt sich in seinen Videos häufig offen rassistisch. Fraglich ist dabei, wie ernst das ganze zu nehmen ist.

Die Fans von PewDiePie nahmen Loras Tweet nicht gerade sportlich und gaben ihr online ordentlich Kontra. Doch damit nicht genug – auch ihr Arbeitgeber Ubisoft wurde von Beschwerdemails überhäuft. Sogar zum Boykott von Loras aktuellem Projekt, The Division 2 wurde als Retourkutsche aufgerufen. Gegen die geballte Power der PewDiePie-Anhängerschaft ist kein Kraut gewachsen, das mussten auch die Entwicklerin und Ubisoft feststellen.

Aus diesem Grund wurde der Tweet inzwischen auch gelöscht. Zudem hat sich Dianna Lora vorübergehend aus den sozialen Medien verabschiedet, um sich, ihr zufolge, auf Familie und Arbeit konzentrieren zu können. Der Shitstorm ist wohl zu groß geworden. Eventuell wurde sie auch von Ubisoft zu diesem Schritt angehalten, um die Wogen etwas zu glätten. Denn dass sich solche Geschichten auf den kommerziellen Erfolg eines Spiels auswirken können, hat man in der Vergangenheit öfter gesehen. Battlefield 5 kann ein Lied davon singen.

Doch auch PewDiePie bewegt sich auf dünnem Eis, da dies nicht sein erster Skandal dieser Art ist. Wir erinnern uns an den ‘fucking nigger’-Stream und den darauf folgenden Copyright-Claim seitens Campo Santo. Das weiß der Schwede natürlich und agiert dementsprechend vorsichtig. Er gibt an, von den kontroversen Inhalten nichts gewusst zu haben und entschuldigt sich provisorisch bei allen, die sich angesprochen fühlen. Das ganze wirkt fadenscheinig, ja – aber was bleibt ihm anderes übrig.

The trend is your enemy

Auseinandersetzungen dieser Art scheinen sich in letzter Zeit zu häufen. Zuletzt musste sich CD Project Red für einen angeblich sexistischen Tweet entschuldigen. Noch mehr Parallelen finden sich bei der Auseinandersetzung zwischen einer Autorin von ArenaNet und einem von dem Unternehmen bezahlten Influencer. Dieser übte per Twitter konstruktive Kritik und wollte eine Diskussion anstoßen, nur um von der Erstgenannten eine böse Abfuhr zu erhalten. Die Dame musste daraufhin unter lautstarken Protesten ihren Posten räumen.

Dies trifft im Fall von Dianna Lora zum Glück nicht zu. Ubisoft hat besonnen gehandelt und sich durch vernünftiges Krisenmanagement die Entlassung einer Mitarbeiterin erspart. Loras Zug, sich für einige Zeit ein Schweigegelübde aufzuerlegen, ob nun freiwillig oder nicht, war genau richtig. Die Fans von PewDiePie werden ohnehin bald eine neue Beschäftigung finden. So schnell Auseinandersetzungen im Internet eskalieren, so schnell interessiert sich auch keiner mehr für sie.