Modulare Spiele – Call of Duty macht den Anfang

Modulare Spiele – Call of Duty macht den Anfang

12. Dezember 2018 0 Von Johnny

Videospiele bestehen immer häufiger aus unabhängigen Modi. Doch wir Konsumenten werden gezwungen für 60 Euro das ganze Paket zu kaufen. Es wird Zeit, dass wir unser Menü selbst zusammenstellen können. Call of Duty: Black Ops 4 zeigt, wie es gehen könnte.

Ich bin ein ganz klarer Gegner der absoluten Digitalisierung im Videospiel-Bereich. Wenn ich an meiner im Regal stehenden Sammlung vorbei gehe, fühlt sich das einfach gut an. Ohne diesen physischen Bezug fehlt einfach etwas. Doch der von der Industrie eingeschlagene Weg ist nicht umkehrbar.

Verlangsamen können wir Konsumenten die Bewegung. Das hat man bei der Xbox One gesehen. Microsoft hat sich der Kritik ergeben und zunächst eine 180-Grad-Wende vollzogen. Doch mit Game Pass und den Gerüchten um eine Xbox One ohne Laufwerk nähert man sich dem ursprünglichen Ideal wieder an.

Da wir uns also nur bedingt wehren können oder vielleicht auch wollen, sollten zumindest die mit den Veränderungen verbundenen Chancen betrachtet werden. Entwickler und Publisher sollten bei bestimmten Spielen in Zukunft vom klassischen Vollpreis-Modell Abstand nehmen und ihre Spiele in Module einteilen.

Bei Fifa beispielsweise denke ich mir das seit Jahren. Ich kaufe mir jeden Ableger, um letztendlich nur den Karriere-Modus zu nutzen. Somit bleibt ein großer Teil des Spiels unangetastet. Ich zahle für etwas, das ich gar nicht brauche.

Genauso geht es mir mit all den Titeln, die einen klaren
Singleplayer-Fokus haben, jedoch aus dem ein oder anderen Grund einen Mehrspieler-Modus angehängt bekommen. Dies ist eine Entwicklung, die Bereits auf dem Nintendo 64 begonnen hat. Damals war das Angebot jedoch noch deutlich geringer. Inzwischen gibt es Multiplayer-Spiele ohne Ende.

Free-to-play-Titel gehen schon jetzt häufig in diese Richtung. In Hearthstone beispielsweise erwirbt man die Einspieler-Abenteuer extra im Shop. Der Rest ist kostenlos spielbar. Auch bei Fortnite wird klar zwischen Save the World- und Battle Royale-Modus unterschieden.

Nun wagt sich mit Call of Duty: Black Ops 4 endlich auch ein Vollpreis-Spiel an dieses Modell. Die Battle Edition kommt für rund 40 Euro und verzichtet auf den Zombie-Modus. Dies könnt ein erster Schritt dahin sein, dass die CoD-Serie zukünftig in einzelnen Modulen angeboten wird. Jeder kann sich sein Spiel dann aus den Teilen zusammenstellen, die er auch wirklich haben möchte.

Doch machen wir uns nichts vor – bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Black Ops 4 hat ja generell keine klassische Kampagne zu bieten. Dass es solche bald ohne den Mehrspieler-Anhang für günstiger gibt, ist eher unwahrscheinlich. Denn in letzterem sind ja die ganzen schönen Loot-Boxen und Mikro-Transaktionen implementiert.

Wünschenswert wäre diese Entwicklung jedoch. So könnte uns die Industrie auch das unausweichliche Wegfallen der physischen Medien etwas schmackhafter machen.