Falout 76 ist das nächste Opfer der Review-Bomber

Falout 76 ist das nächste Opfer der Review-Bomber

15. November 2018 0 Von Johnny

Die Gaming-Community versucht immer wieder, ihre Ideen und Vorstellungen bei Entwicklern und Publishern an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Jetzt hat sich hierfür eine neue Methode etabliert: Das Review-Bombing. Massen an Spielern geben ihrer Unzufriedenheit durch schlechte Wertungen auf Plattformen wie Steam Luft. Das Problem dabei: Die Spiele werden komplett abgewertet, obwohl die Handelnden häufig nur spezifische Aspekte kritisieren.

Nun hat es also auch Fallout 76 erwischt. Wenig überraschend, wenn man die deutlich ansteigende Tendenz von Review-Bombing in letzter Zeit beobachtet. Dies, kombiniert mit dem ohnehin kritisch gesehenen Ausflug eines traditionell Singleplayer-geprägten Franchises in die Online-Welt, garniert mit einer in vielen Bereichen missglückten Beta.

Bethesda schießt sich selbst ins Bein

In der Regel können User-Wertungen durch solide, ‘professionelle’ Reviews ausgeglichen werden. Die Note einer großen Videospiel-Instanz zählt noch immer mehr als die von Hansi Müller. Doch zu Fallout 76 gibt es vor dem Launch keine Profi-Tests, denn Bethesda verbietet diese seit geraumer Zeit. Nun hat man sich mit dieser ohnehin bereits kritisierten Politik selbst in die Nesseln gesetzt.

Steam ist normalerweise der erste Anlaufpunkt für Review-Bomber. Doch da der Titel auf Valves Distributionsplattform nicht erhältlich ist, haben sich die User jetzt an Metacritic gewandt. Hier steht Fallout 76 derzeit bei 28 Prozent. Knapp drei Viertel der Wertungen sind negativ. Die Hauptkritikpunkte sind Bugs, eine veraltete Technik (in erster Linie die Engine) und die leere Spielwelt.

Sobald auch die Profis ihre Wertungen abgeben dürfen, wird sich das Ganze etwas relativieren. Doch der Schaden wurde bereits angerichtet. Viele potenzielle Käufer sind vermutlich abgeschreckt und die Berichterstattung in den Medien nimmt die schlechte Stimmung auf. Review-Bombing ist also tatsächlich ein Weg, die Verantwortlichen zu erreichen. Doch ist es auch sinnvoll?

Das Problem mit den Nutzerwertungen

Bei Fallout 76 fällt die Kritik der Gamer sehr umfangreich aus. Doch häufig ärgert die Spielerschaft bei einem Titel nur ein bestimmter Aspekt. Sei es ein Update, eine Störung oder auch nur das Verhalten der Entwickler. Trotzdem wird das Produkt als Ganzes heruntergemacht. Neue Interessenten werden durch die schlechten Wertungen abgeschreckt, ein Spiel zu kaufen, das generell nicht schlecht sein muss. Das kann nicht im Sinne der Community sein.

Ein aktuelles Beispiel ist Rainbow Six: Siege. Durch einen Patch wurden sexuelle, religiöse oder anderweitig potentiell anstößige Inhalte aus dem Online-Shooter entfernt, um diesen für den chinesischen Markt kompatibel zu machen. Dafür hagelte es auf Steam schlechte Bewertungen. Valve geht inzwischen gegen dieses Phänomen vor und weist auf einen plötzlichen Wertungsabfall hin.

Das Problem wird so aber nicht wirklich gelöst. Tatsächlich scheint es auch keine Möglichkeit zu geben, die unkontrollierbare Masse von solchem Verhalten abzubringen. User-Tests komplett abzuschaffen ist auf jeden Fall der falsche Weg. Die Nutzerwertungen sollten eher wie ein aktuelles Stimmungsbarometer gelesen werden. Sind diese höher als die der etablierten Kritiker, dann wurde das Spiel wohl mit der Zeit verbessert. Sind sie niedriger, scheint es akute Probleme zu geben.

Am Ende ist das einzig hilfreiche informierte Konsumenten. Sich selbst schlau zu machen kann nie schaden, ob nun in der Gaming-Branche oder anderen Bereichen. Denn auch die Tests von bezahlten Redakteuren sind subjektiv und häufig befangen. Also bilden wir uns lieber selbst eine Meinung.