Death Stranding könnte das Schlimmste in Kojima hervorbringen

Death Stranding könnte das Schlimmste in Kojima hervorbringen

31. Juli 2018 0 Von Johnny

Death Stranding war dieses Jahr bereits zum dritten Mal auf einer E3 zu sehen. Wie genau das Gameplay aussehen wird, ist jedoch noch immer ein großes Mysterium. Stattdessen beglückt uns Hideo Kojima mit Reden über vage Leitmotive und seine liebsten Fernsehserien. Bekommt er von den Geldgebern bei Sony zu viel Freiraum, könnte sich dies negativ auf das Projekt auswirken.

Hideo Kojima ist ein extrem begabter, kreativer Geist. Dies ist die Voraussetzung für seine ambitionierten Projekte, birgt jedoch auch Gefahren. Denn Videospiele in der Größenordnung von Death Stranding beruhen auf Teamarbeit, Koordination, sowie klaren Zielen und Strukturen. Diese Aspekte können sich mit dem kreativen Prozess beißen, gerade wenn ein Alleinherrscher wie Kojima an der Spitze steht.

Bei einer vertikal ausgeprägten Hierarchie innerhalb des Entwicklerteams, können theoretisch die Publisher von außen auf den Prozess und die Führungskräfte einwirken. Ist diese externe Einmischung zu groß, limitiert dies häufig die Spiele. Hält sich der Publisher jedoch komplett heraus, kann dies ebenfalls negative Folgen haben.

Die Zurückhaltung seitens Sony könnte jedoch eine Voraussetzung für Kojima gewesen sein, überhaupt an einem exklusiven Playstation 4-Titel zu arbeiten. Anders ist es kaum zu erklären, dass wir von Death Stranding noch immer kein klares Bild haben.

Der Hype um Hideo Kojima hat eine Eigendynamik angenommen. Durch die Marke Metal Gear Solid, gepaart mit teils genialem (Silent Hills), teils absurdem (MGS V) Marketing, hat es Kojima geschafft, sich einen einmaligen Status in der Branche zu erarbeiten. Sein Handeln scheint nun kaum noch hinterfragt zu werden.

Kojima hat sich in der Vergangenheit nur bedingt durch zielgerichtetes Handeln hervorgetan. Ohne Druck von außen, hätte der selbsternannte Perfektionist wohl ewig an seinen Spielen gefeilt. Mit Metal Gear Solid 5 wurde sein letztes Projekt in einem unfertigen Zustand veröffentlicht. Auch wenn Publisher Konami hier vermutlich die Hauptschuld trifft.

Betrachtet man Kojimas Werke, so bereitet gerade das Fehlen von echten Gameplay-Szenen zu Death Stranding etwas Sorgen. Es macht fast den Eindruck, als hätte man sich zunächst um einen interessanten Plot und bekannte Schauspieler gekümmert. Daraus wurden dann schicke Trailer zusammengestellt. Doch wie spielt sich Death Stranding?

Interne Mitarbeiter bei Sony haben es bereits gespielt. Aber das bringt uns Außenstehenden wenig. Die Frage ist, ob es, wenn ein Grund besteht sollte, zu einer knallharten Gameplay-Analyse kommen würde. Vielleicht reicht es Sony aber auch, von Kojima Productions über die nächsten Jahre schöne Trailer für ihre Pressekonferenzen zu bekommen.

MGS V war Gameplay-technisch für mich das stärkste Spiel der Serie. Es verzichtete auf überlange Cut-Scenes, zugunsten der Kontrolle durch den Spieler. Zu häufig jedoch folgte Kojima in der Vergangenheit dem ‘style over substance’-Kredo. Metal Gear Solid 4 ist ein perfektes Beispiel hierfür. Ein von exzessiven Zwischensequenzen und Fan-Service durchdrungenes Spiel.

Der Ansatz von Death Stranding ist durchaus interessant. Auch wenn es definitiv Kämpfe geben wird, stehen diese offensichtlich nicht im Fokus. In Form von Norman Reedus stundenlang durch felsige Gebiete zu streifen, wie es der letzte E3-Trailer suggeriert, klingt aber nicht unbedingt nach Spaß. Zumal diese Tätigkeit bereits in Zelda: Breath of the Wild perfektioniert wurde.

Hoffen wir, dass man bei Kojima Productions Zeit hat, an allen Aspekten von Death Stranding zu feilen – dass wir die schöne Hülle gezeigt bekommen, der Inhalt aber letzlich nicht weniger gehaltvoll ausfallen wird.

Kojima von der Leine zu lassen, hat zu einem der interessantesten Videospiel-Projekte geführt, die sich momentan in Entwicklung befinden. Von einem absoluten Meisterwerk, bis hin zu einem misslungenen Experiment scheint momentan jeder Ausgang möglich.