World of Warcraft Classic – War früher wirklich alles besser?

Fast genauso heiß erwartet wie die kommende World of Warcraft Erweiterung Battle for Azeroth, die am 14. August 2018 erscheinen wird, sind die von Blizzard mittlerweile offiziell bestätigten Classic-Server. Sind sie den Hype unter WoW-Fans wert? Ein persönlicher Kommentar.

Ja, ich bin auch World of Warcraft-Veteran. Und ja, ich habe schon zu Vanilla-Zeiten gespielt. Und ja, ich gestehe, auch ich habe mir in den Jahren in der Scherbenwelt, Northrend, Pandaria und Co. immer mal wieder nach den „guten alten Zeiten“ von Classic-WoW gesehnt.

Glücklicherweise war Azeroth in all den Jahren nie ganz weg. Immer wieder haben die Entwickler bei Blizzard das Zentrum der aktuellen Lore-Entwicklung zurück zu den Wurzeln in den Östlichen Königreichen und nach Kalimdor verlegt.

Meine Menschen-Magierin vor den Toren von Stormwind.

Jedes Mal fühlte es sich ein wenig wie nach Hause kommen an. Ein wenig deshalb, weil die Welt sich stetig weiter entwickelt hat. Immerhin wurde nach dem Cataclysm unter anderem Stormwind, die Menschenhauptstadt, dem Erdboden gleich gemacht und später wieder aufgebaut.

Eine Spielwelt, die auf die Ereignisse in ihr reagiert, ist prinzipiell fantastisch. Der Nostalgieeffekt wird dadurch allerdings geschmälert. Es hat etwas von einem Besuch im Elternhaus, aus dem man schon lange ausgezogen ist. Die Kinderzimmer sind natürlich längst okkupiert, werden als Gästezimmer, Nähzimmer oder Abstellkammer genutzt. Der Raum ist also noch da, doch er ist nicht mehr „unser“.

Um Drachen-Lady Onyxia zu besiegen brauchte es in Classic 40 Mann. Zwei Addons später konnte man sie solo erledigen.

Auch der Besuch der alten (Raid-)Instanzen aus Classic-WoW vermochte nie ganz das Spielgefühl von damals zurückzubringen. Je höher das Maximallevel gesetzt wurde, desto weiter entfernte es sich davon. Selbst mit Low-Level-Charakteren konnte man mit wenig Mann/Frau durch die vertrauten Hallen rushen. Und mehr als das – ein kurzer Rausch der Erinnerungen – war es dann auch meistens nie.

Das klingt nun vielleicht abgedroschen, aber nicht nur die Welt hat sich stetig geändert. Auch die Spielergemeinschaft hat einen Wandlungsprozess durchgemacht. Angefangen bei der Gruppendynamik. Denn einige liebgewonnenen Menschen von damals, haben zwischenzeitlich der virtuellen World of Warcraft für immer den Rücken gekehrt.

Onyxia 2.0 in Cataclysm: Gemeinsam scheitern, gemeinsam siegen. Täglich. Das ist eines der Dinge, die WoW zu einem solch prägendem Erlebnis machen.

Dabei sind gerade die anderen Spieler das, was MMOs zu einem besonderen Erlebnis machen: Gespräche im TS bis spät in die Nacht. Die gigantischen, wortwörtlich stundenlangen Schlachten im Alteractal. Wenn man endlich DEN Boss besiegt, an dem man Wochen gescheitert ist.

Und zuletzt hat sich natürlich auch der Einzelne weiterentwickelt. Damit meine ich nicht nur die Avatare, die natürlich immer mächtiger geworden sind, sondern auch den Menschen dahinter. Als ich damals mit WoW angefangen habe, habe ich einfach drauf losgespielt. Begriffe wie HPS (heal per second), DPS (damage per second), LOS (line of sight) oder Stats waren mir fremd. Von der Optimierung des Fähigkeiten-Baumes mal abgesehen.

Der Gürtel vom Set stammt noch aus dem originalen Classic-Naxxramas. Den Helm hab ich auch. Ich war damals Stolz wie Bolle, als ich das Zeug bekommen habe. Kulisse: Mein geliebtes Azshara.

Das kam erst mit der Zeit. Und diese Zeit hat mir ein Stück dieser spielerischen Unschuld von damals genommen. Erst aus der Retrospektive habe ich plötzlich kapiert, warum wir welche Taktik gespielt haben. Und tatsächlich wurde ich selbst im Laufe der Jahre zu etwas wie einem Taktik-Experten in meinen Gilden. War Raidleiter und beratender Offizier. Sogar Gildenmeister.

Ja, auch ich vermisse Classic-WoW. Ich vermisse meine Gamer-Unschuld. Ich vermisse es, in der Kriegshymnenschlucht mit meinem Druiden die Flagge für mein Team nach Hause zu bringen und dafür gefeiert zu werden. Ich vermisse es, morgens kleine Mini-Raids in die Obere Blackrock-Spitze zu organisieren. Ich vermisse es, Traumblatt in meinem Lieblings-Gebiet Azshara zu farmen. Und dabei mit meinen Freunden im TS zu quatschen. Ich vermisse Cort, ich vermisse Meodim, ich vermisse Gekkou und all die anderen, die mich damals auf meinen Abenteuern in Classic – und auch später in den Addons – begleitet haben.

Auch ich habe mich IN World of Warcraft verliebt. Zweimal. Gehalten haben diese Liebschaften nicht. Aber die Liebe zu dem Spiel ist immernoch da!

Leider ist eines gewiss: Kein Classic-Server der Welt – weder ein Fan-Server, noch der offizielle von Blizzard – wird mir das zurückgeben können!

Ein Gedanke zu “World of Warcraft Classic – War früher wirklich alles besser?

  1. Danke! Besser kann man es nicht ausdrücken.
    Ich freue mich auf BfA, aber so wie „früher“ wird es nie wieder werden.

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