Hört endlich auf Hakenkreuze zu zensieren

Hört endlich auf Hakenkreuze zu zensieren

23. Mai 2018 0 Von Johnny

Wolfenstein 2: The New Colossus ist vor Kurzem für Xbox One, Playstation 4 und PC erschienen und eine Version für Nintendo Switch soll folgen. Und da kommt ein Thema wieder in den Sinn, das in den letzten Jahren zum Glück an Bedeutung verloren hat: Zensur. Denn in Wolfenstein 2 sind alle Symbole des 3. Reichs verfälscht. Und das sollten sie nicht sein. Nicht nur der künstlerischen Freiheit wegen.

Vor einigen Jahren war es in Deutschland noch gang und gäbe, dass Spiele mit expliziten Inhalten (Gewalt, Sex, Schimpfworte) zensiert, wenn nicht gar indiziert wurden. Diese Vorgehensweise ist glücklicherweise seltener geworden. Zahlreiche Studien belegen, dass der Konsum solcher Medien nicht automatisch zur Umsetzung der in ihnen vollzogenen Handlungen in der Realität führt.

Sex, Blut und Drogen dürfen wir inzwischen also konsumieren. Doch eine Sache ist noch immer ein absolutes Tabu: Nazis. Doch warum? Hat sich Deutschland nicht vorbildlich mit der Vergangenheit auseinander gesetzt? Anscheinend nicht. Denn der Anblick eines Hakenkreuzes treibt vielen noch immer die Schamröte ins Gesicht, wie einer Jungfrau beim Anblick eines nackten Körpers. Man darf sich dieser Vergangenheit durchaus schämen. Doch muss man ihr ins Gesicht blicken und nicht wegsehen.

Rechtlich gesehen ist die Darstellung von Hakenkreuzen nicht verboten. Bethesda hat sich freiwillig dazu entschieden, diese in Wolfenstein zu zensieren. Und damit den deutschen Spielern geholfen, sich nicht mit dem gezeigten zu beschäftigen – ihnen einen generischen Shooter geliefert. Doch gerade in Deutschland ist die künstlerische Verwendung solcher Symbole wichtig. In anderen teilen der Welt kann man über die Nazis lachen. Nur hier nicht.

Die Nazis selbst hatten die Nutzung und Verbreitung ideologischer Symbole, solange nicht ausdrücklich von der Partei erlaubt, strengstens verboten. Sie hatten nämlich Angst, in den Kitsch abzudriften. Die Verantwortlichen waren sich ihrer lächerlich karikaturistischen Präsentation wohl bewusst. Es ist eine feine Linie zwischen funktionierender Propaganda und einem wandelnden Witz. Letztere waren natürlich auch verboten. Wer sich über die Partei lustig machte, landete schnell im KZ.

Tatsächlich könnte man über die Nazis lachen, hätten sie nicht so viele Tote zu verantworten. Doch Humor ist ein Weg, Ideologien zu entlarven. Und Nazis in Videospielen abzuknallen ist doch durchaus humorvoll. Gerade in Wolfenstein. Aus dem Land der ehemaligen Besatzer kommt ein Werkzeug, mit der Vergangenheit umzugehen. Vielleicht sogar ein Besseres als in den Nachkriegsjahren. Eines das zwingt hinzusehen. Also zensiert es nicht.