Ready Player One ist eine Beleidigung für alle Gamer

Ready Player One ist eine Beleidigung für alle Gamer

23. April 2018 0 Von Johnny

Johnny sagt: Dass Ready Player One kein Meisterwerk sein wird, das war mir vor dem Kinobesuch bereits klar. Doch welch einen lustlosen Schinken Herr Spielberg und Konsorten letztendlich abgeliefert haben, ist schon traurig. Es zeigt wie verquer Videospiele von außen noch immer wahrgenommen werden.

Ich habe Ready Player One von Ernest Cline nicht gelesen. Und das werde ich wohl auch nie. Doch dass dieser mit dem gleichnamigen Film zufrieden ist, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Bei all der Fanfare, muss das Buch etwas Gutes an sich haben. Etwas, das dem Film offensichtlich fehlt.

Der 08/15 Revenge-/Heroes Journey-Plot und die blassen Charaktere sind derart durchsichtig, dass man sich den Film nach dem Intro quasi selbst erzählen könnte. Zu keinem Zeitpunkt kommt auch nur ein Hauch von Spannung auf. Nichts steht wirklich auf dem Spiel. Es gibt keine einzige nicht vorhersehbare Wendung.

Dass Ready Player One voll von Logiklücken ist, könnte man dem Streifen noch verzeihen. Die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit funktioniert, da man nach wenigen Minuten ohnehin mit keinen Kausalzusammenhängen mehr rechnet. Die Technik hinter der Odyssey, das Verhalten aller Charaktere und jegliche Ereignisse sind derart an den Handlungsverlauf angepasst, dass sie keinem Wie oder Warum mehr standhalten.

Charaktere und Handlung könnten aus einem Videospiel stammen, ja. Aber aus einem der 80er oder Anfang der 90er Jahre. Doch leider gibt es hier kein Gameplay, um die beschämend simple Handlung wettzumachen. Die Action-Szenen sind okay, aber da nie jemand ernsthaft in Gefahr ist, verkommen diese zu einer Art Ballett mit Videospiel-Avataren.

Von einem Mann wie Spielberg könnte man sich eigentlich mehr Einfühlvermögen zum Thema Videospiele erwarten. War er doch an der Entstehung einiger Titel beteiligt. Der Regisseur hat mit Boom Blox sogar selbst ein Spiel designt. Doch um Videospiele geht es in Ready Player One gar nicht. Es geht vielmehr um Nostalgie.

Alle auftauchenden Avatare, Waffen und Items sind lediglich Trigger, die genutzt werden, um beim Publikum die Nostalgie-Rezeptoren anzuwerfen. Das ist das eigentliche Verbrechen von Ready Player One. Spielberg selbst scheint über den Prozess nostalgisch geworden zu sein. Seht her, ein T-Rex. Ja, ich habe Jurassic Park gedreht. Seht her, The Shining. Ja, ich war mit Stanley Kubrick befreundet.

So simpel der Plot ist, so konfus ist alles um ihn herum. Es gibt keine Regeln in der Welt von Ready Player One. Man muss mit allem rechnen, wodurch dem Zuschauer jeglicher Bezug genommen wird. Offenbart sich der grundlegende Plot direkt zu Beginn, wird man in der Welt selbst nie heimisch.

Die Beziehung der Medien Videospiel und Film ist noch immer in einem traurigen Zustand. Steven Spielberg dürfte das herzlich egal sein, denn die Besucherzahlen in den Kinos stimmen. Filme müssen in Zukunft mehr aus ihren Vorlagen aus dem Videospielbereich machen, als aus ihnen Nostalgie und Wiedererkennungswert zu schöpfen.

Lieber sehe ich mir zufällige zweieinhalb Stunden VR Chat-Material an, bei dem sich Leute gegenseitig beschimpfen und mit geliebten Avataren schlimmstes getrieben wird, als mir ein weiteres Mal Ready Player One anzutun.

Kate sagt: Filmumsetzungen von Videospielen haben ein schweres Standbein. Kaum einer dieser Versuche wird von zockenenden wie nicht zockenden Kinobesuchern als gelungen bezeichnet. Ready Player One ist allerdings eine Buchumsetzung, die lediglich Computerspiele oder genauer VR zum Thema hat.

Ehrlich gesagt, habe ich Ready Player One, die Romanvorlage von Ernest Cline, nicht gelesen. Und da sich bei mir die ungelesenen Bücher stapeln, wie die noch ungezockten Spiele in meiner virtuellen Steam-Bibliothek, wird das vermutlich auch nicht mehr passieren. Erst recht nicht, nachdem ich mir den Film angesehen habe.

Bevor ich mich in den Kinosessel werfe, habe ich faktisch nicht den Hauch einer Ahnung, was mich bei dem Film erwartet. Irgendwie ging seine Existenz bis zu dem Abend, an dem ich entschlossen mal wieder ins Kino marschiere, völlig an mir vorbei. Also lehne ich mich zurück, die 3D-Brille auf der Nase, das Popcorn in der linken, mein Bier in der rechten Hand.

Tatsächlich bin ich von den ersten Minuten begeistert und freue mich, dass mein Begleiter und ich uns dazu entschlossen haben, den Film in einem großen Kino-Saal zu sehen und nicht, wie ursprünglich geplant, in einer kleinen Klitsche ohne 3D.

Denn was wir da zu Beginn präsentiert bekommen, ist für mich als Aktion-Liebhaber massiv unterhaltsam. Das Auto-Rennen zu Beginn des Films, ist peppig inszeniert und bietet einige erste popkulturelle Anspielungen aus verschiedenen Generationen Medien- und Spielegeschichte. Passt!

Das rasante Tempo, das der Film anfangs vorgibt, kann er allerdings leider nicht halten. Irgendwo auf dem Weg müssen Regisseur Spielberg die Coins für den Sprit ausgegangen sein.

Denn nach dieser ersten rasanten Szene, driftet der Film in die unendlichen Weiten der – häufig armseligen – Popkultur-Referenzen ab, die scheinbar willkürlich aus Anspielungen an Spielinhalte, Nerdkultur und auch Film (The Shining, Jurassic Park und so weiter) zusammengestückelt werden.

Das alleine wäre theoretisch nicht schlimm, spiegelt sich doch in der Schnitzeljagd nach besagten Referenzen die Reise der Protagonisten wider. Was für mich den Film zugrunde richtet ist vermutlich etwas, an dem er ganz unschuldig ist: Die Vermischung der Story um die Suche nach dem heiligen Nerd-Gral mit einer Teenie-Romanze.

Das sorgt zum einen dafür, dass sich die Handlung auf Grund der Stereotypen dieses Genres nicht richtig entwickeln kann. Zum anderen sorgt es für ein paar Fremdschämmomente zu viel.

Keiner der Charaktere besitzt irgendeine Form von Tiefe. Da hilft auch nicht, dass sich hinter den virtuellen Avataren nur die übliche Gang von Minderheiten verbirgt. Und erst recht kein blasses Geburtsmal, das des Helden Love-Interest entstellen soll ( das gilt laut Hollywood also als hässlich). Und zu allerletzt eine Rahmenhandlung á la Slum-Dog-Millionaire für den Protagonisten. Gähn!

Ich gehe davon aus, dass auch im Buch dieses Teenager-Ding im Zentrum steht und die Nerd-Kultur nur wie ein auswechselbares Hemd übergestülpt wird. Im Film zumindest wirkt dieses Kultur-, Nerd- und Generationen-Wirr-Warr letztlich halbherzig. Dabei wäre es so leicht gewesen, ‘echte’ Nerds in den Fokus zu stellen. Und Anstelle eines Riesenkonzerns als Antagonisten, einfach einen verfeindeten Clan. Aber hey! Dystopie und so. Da ist die Industrie immer Schuld!

Ich gehe nicht oft ins Kino. Ich bin auch sonst sehr gnädig mit Bewertungen. Aber dieser Film ist so unglaublich schlecht, dass ich ihn mir nicht einmal wieder ansehen würde, wenn ich für die Entdeckung aller versteckten popkulturellen Easter Eggs, Steven Spielbergs Rechte an allen seinen Filmen sowie sein ganzes Vermögen überschrieben bekommen würde.