Die Wissenschaft fragt nach: Machen Gewaltspiele aggressiv?

Eine Studie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) erhebt die Mediendebatte um „Killerspiele“ zum Forschungsgegenstand und kommt dabei zu einem sehr eindeutigen Ergebnis: Nein, Gewaltspiele machen nicht aggressiv!

An der Untersuchung nahmen insgesamt 90 Probanden teil, die in drei Gruppen gegliedert wurden. Während der zwei Monate, die die Studie andauerte, spielten zwei Gruppen regelmäßig ein Computerspiel. Die einen ein Gewaltspiel, die anderen ein harmloses Spiel. Im Schnitt durften die Teilnehmer 33 Stunden für Forschungszwecke zocken. Die dritte Gruppe, die sogenannte Kontrollgruppe, spielte gar keine Computerspiel.

Nach den zwei Monaten wurden Befragungen und Verhaltenstests durchgeführt. Dabei ging es in erster Linie um die Feststellung des Aggressionslevels, des Sozialverhaltens und der Empathie-Fähigkeiten der Probanden. Und – oh Wunder – die Forscher fanden in keiner der drei Gruppen relevante Verhaltensänderungen.

So ist es in ihrem Bericht in der Fachzeitschrift Molecular Psychiatry nachzulesen. Studienleiterin Prof. Dr. Simone Kühn resümiert dort: „Der in der Öffentlichkeit oft angeführte negative Einfluss von Gewaltspielen auf das Verhalten von Spielerinnen und Spieler lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen.“ Zumindest nicht in Langzeitstudien.

Sie räumt allerdings ein, dass die Studie nur mit Erwachsenen durchgeführt wurde und sie nicht mit Sicherheit sagen können, ob sich das Ergebnis auch auf Jugendliche und Kinder übertragen lässt. Dazu wären weiterführende Tests notwendig.

Vorangegangene Untersuchungen hätten hauptsächlich die Wirkung von Spielen direkt nach deren Konsum zum Gegenstand gehabt. Dort habe sich tatsächlich eine Veränderung im Verhalten bemerkbar gemacht.

Es ist nicht neu, dass Medien einen sogenannten Immersions-Effekt (man findet in der Forschung auch die Begriffe „presence“ oder „involvement“) haben. Nicht nur Computerspiele, auch Literatur und Film, sogar Musikstücke können unsere Emotionen beeinflussen und einen gewisse Sogwirkung haben, die uns in ein paralleles (virtuelles) Universum eintauchen lassen.

Wen wundert’s, dass ein spannendes Spiel, unseren Adrenalinspiegel kurzzeitig steigen lässt! Die neue Studie zeigt aber, dass dieser Effekt so schnell geht, wie er gekommen ist.

Ob der Wissenschaft gelingt, was der purer Menschenverstand in vielen (Politiker)Köpfen noch nicht geschafft hat? Sind sie endlich überzeugt, dass die Debatte um „Killerspiele“ am Kern der Sache vorbei geht?

Fakt ist, die einzige, nachhaltige Wirkung, die Computerspiele oder Videospiele im allgemeinen auf uns haben, sind die schönen Erinnerungen, die wir aus den anderen Welten mit in den realen Alltag nehmen und die so ein Teil davon werden. Ihr wisst das. Wir wissen das. Wird Zeit, dass das auch in der breiten Masse ankommt!

Kommentar verfassen