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Piratenspiele – Für Rum und Ehre

20. März 2018 4 Von Kate

Selbst über 27 Jahre nach der Erstveröffentlichung bekommen Spieler “meiner Generation” einen wässrigen Blick, wenn jemand The Secret of Monkey Island nur in einem Nebensatz erwähnt. Auch bei mir zeigt sich sofort ein karibisches Lächeln und ich schmecke einen Hauch von Meersalz auf meinen Lippen. In mir erklingt eine Melodie – das ikonische Hauptthema von Chris Hülsbeck. Ich greife in Gedanken nach dem Steuerrad. Der Wind bringt den Totenkopf auf der Schiffsflagge am Hauptmast zum Tanzen und weht mir ein Gefühl von Freiheit ins Gesicht. Seht! Dort vorn! Am himmlisch blauen Horizont zwischen Inseln mit Kokosnuss-Palmen und leuchtend-weißen Sandstränden taucht ein Schiff aus den Meereswogen hervor. Und mit ihm ein neues Abenteuer!

Der piratische Protagonist von Monkey Island, auf den zungenbrecherischen Namen Guybrush Threepwood. Und das kam so:. .brush war eines der während der Entwicklung verwendete Dateiformate. Tja und guy… guy.brush. Das erinnert an eine gängige Praxis unter MMO-Spielern, die ihre Charaktere nicht selten danach bennen, was sie während der Geburtsstunde ihres Avatars gerade auf dem Schreibtisch finden. Wie sonst kommt ein mächtiger Orc-Krieger wohl zu einem furchteinflößgenden Namen wie “Lemonicetea”?

Der Name von Guybrush jedenfalls ist Programm: Unser Held ist ein armseliger Niemand, der es sich in den Kopf gesetzt hat, ein berühmter Pirat zu werden. Seine herausragenste Fähigkeit: Er kann 10 Minuten die Luft anhalten! So unnütz das jetzt klingen mag, in einem Point&Click-Adventure gibt es tatsächlich wenige Eigenschaften oder Gegenstände, die uns Spieler nicht an irgendeinem Punkt im Spielverlauf doch weiterhelfen. Und so machen wir uns klickend und rätselnd gemeinsam mit Guybrush auf, ein gefeierter Pirat zu werden. Denn, wer will das nicht?!

Ja, spätestens seit Sir Francis Drake üben Piraten und ihr ruchloser Charme eine gewisse Anziehungskraft auf uns Normalos aus. Damals war es für perspektivenlose junge Männer eine Chance auf ein halbwegs sinnerfüllendes – wenn auch meist eher kurzes – Leben. Heute äußert sie sich die Anziehung hauptsächlich in der Art und Weise, wie die Thematik in den Medien und damit auch Computerspiele verarbeitet und schließlich von den Konsumenten rezipiert wird.

In unserer Gesellschaft werden Moral und Gesetz hoch gehalten. Was für das Zusammenleben höchst sinnvoll ist, weckt in dem ein oder anderen den Reiz diese Grenzen zu durchbrechen. Der Ruf nach Freiheit über den eigenen Willen und selbstbestimmtes Handeln, der Durst nach Abenteuer, fernab von Plattenbauten oder öder Vorstadt zieht uns an unsere Konsolen und PCs. Denn hier können wir in virtuellen Simulationen ausleben, was unsere Vorväter noch erleben durften. Wobei das “echte” Piratenleben durchaus seine Schattenseiten hatte. Aber wer möchte schon simuliert bekommen, wie sich Skorbut anfühlt.

Im Lauf der Geschichte entstanden zahlreiche Sagen und Mythen rund um die Piraterie und einige herausragenden Charakteren. Die Piraten-Legenden von damals leben in den Videospielen fort. Die Figur Nathan Drake, Protagonist der erfolgreichen Uncharted-Serie, behauptet nämlich niemand geringeres zu sein als ein direkter Nachfahre des weltberühmten Freibeuters und Weltumseglers Francis Drake. Und dieser ist nicht die einzige historische Pirat, der in der virtuellen Welt eine (geistige) Wiederbelebung erfährt.

In Assassin’s Creed: Black Flag wird gleich eine ganze Crew aus Pixel-Piraten mit realhistorischem Hintergrund zu unserem Amusement bereitgestellt. Darunter beispielsweise zwei der wenigen bekannten weiblichen echten Seeräuber: Anne Bonny und Mary Read (berühmt dafür, dass sie einer Exekution entkamen, indem sie eine Schwangerschaft vortäuschten). Zu der illustren Runde, die den Spieler und seinen Avatar Edward Kenway durch seine Abenteuer in der Karibik begleiten, gehört auch der berühmt-berüchtigte Blackbeard, DER Pirat des 18. Jahrhunderts.

Aber nicht nur einzelne Charaktere, die ganze Piraten-Thematik an sich bietet offensichtlich einen fruchtbaren narrativen Nährboden. Legendär ist das 1987 erschienen Pirates! von dem nicht weniger legendären Spielentwickler Sid Meier (u.a. für die Civilization-Serie verantwortlich). Das Echtzeitstrategie-Spiel ist ein absoluter (Piraten-)Klassiker.

Piraten sind einfach aus der Computerspielgeschichte nicht wegzudenken. Risen 2: Dark Waters, Port Royal 3, die Fortsetzungen der Monkey-Island-Serie, Zack and Wiki: The Quest for Barbaros’s Treasure, Pirates of the Burning Sea, Tropico 2: , das Remake von Pirates!, aktuell 42 Videospieladaption von One Piece, Fluch der Karibik, die Sea Dogs-Serie, The Legend of Zelda: Wind Waker. Die Liste mit Videospielen, die sich eines Piraten-Settings bedienen ist lang! Sogar ein LEGO Pirates of the Caribbean gibt es. Auch in Zukunft dürfen wir uns mit Sicherheit über einige Piratentitel freuen. Mindestens zwei sind schon offiziell angekündigt: Der kooperative Multiplayer Sea of Thieves  und das taktische Open-World-Actionspiel Skull&Bones.

Wer sich bis zur Veröffentlichung der beiden Titel noch ein wenig in Freibeuter-Stimmung bringen möchte, kann sich gerne einmal quer durch die obige Aufzählung spielen. Auch bei mir stehen noch einige Piraten-Games auf der “To-Play-List”. Unter anderem Assassin’s Creed: Black Flag. Das gibt’s übrigens noch bis zum 23.12.2017 gratis von Ubisoft im Uplay-Store.

Wem es dann noch immer nach mehr Beute und frischer Meeresbrise gelüstet, kann sich aktiv dafür einsetzen, dass bald ein neues Spiel auf die Liste der Piraten Games kommt: Auf Kickstarter läuft aktuell eine Kampagne für das charmante Skull Pirates.

So, und zum Abschluss gibt’s noch was auf die Ohren: Zwei mega Tracks aus dem OST von Assassin’s Creed: Black Flag, die den Rum in den Adern zum Pulsieren bringen. Und ich bin dann mal zocken!

Quelle Header: Ubisoft