Wie Nintendo durch die Switch mit ihren Prinzipien bricht und ihnen treu bleibt

Wie Nintendo durch die Switch mit ihren Prinzipien bricht und ihnen treu bleibt

16. März 2018 1 Von Johnny

Zu Nintendos Konsolen gibt es eine Art Mythos, ein Muster. Dieser besagt, das japanische Unternehmen bringt immer eine innovative Konsole heraus und verfeinert diese anschließend mit der Folgenden. Die Nintendo Switch scheint mit dieser Tradition zu brechen und bleibt ihr doch in gewisser Weise treu.

Das Nintendo Entertainment System brachte der Welt das D-Pad und rettete beinahe im Alleingang eine ganze Industrie. Das SNES perfektionierte 2D-Spiele und gilt als eine der besten Konsolen aller Zeiten.

Das Nintendo 64 führte den Analog-Stick ein und bot ein echtes Spielerlebnis in 3D. Der Gamecube verbesserte den Controller und hatte einen Griff.

Die Nintendo Wii wurde von Grund auf für die Nutzung eines innovativen Kontrollschemas gebaut und erschloss der Videospielindustrie so neue Käuferschichten. Die Wii U setzte dem ganzen noch ein Tablet und HD-Grafik obendrauf.

Selbst im Handheld-Bereich funktioniert das Spiel. Dem revolutionären Gameboy folgte mit dem Gameboy Advance eine Leistungsstärkere Variante. Nach dem DS mit seinem Touch-Screen kam der 3DS, der zusätzlich stereoskopisches 3D bot.

Wo also passt die Switch ins Bild? Eröffnet die Konsole einen neuen Zyklus? Ja und nein. Denn tatsächlich ist sie das, was die Wii U hätte sein sollen.

Nintendo hält häufig an den eigenen Fehlern fest. Das wird dem Unternehmen immer wieder vorgeworfen. Selbst erfolglose Konsolen bekommen ihre Zeit, bevor sie eingestampft werden.

Doch die Wii U wurde ersetzt, lange bevor ihr Potential ausgereizt war. Die Konsole wurde nicht der veralteten Technik wegen ausgetauscht, sondern weil Nintendo selbst sie aufgegeben hatte. Dass die Wii U überhaupt mehr als vier Jahre überstanden hat, lag nur an der langen Vorbereitungszeit für die Switch.

Nintendos neue Konsole läutet vorerst keine neue Ära ein, sondern korrigiert die vorherige. Der Reiz eines Tablets war nie der Touch-Screen alleine, sondern vor allem die Portabilität. Mit der Wii U konnte man in Wohnungen mit durchschnittlicher Größe noch nicht einmal bis auf die Toilette gehen, ohne Verbindungsprobleme zu bekommen.

Die Switch korrigiert diese Fehler, indem sie ein wirkliches Handheld-Erlebnis bietet. Die Bewegungssteuerung ist aber weiter fester Bestandteil des Konzepts. Generell erinnert die Switch in vielen Punkten an die Wii. Vom Design, über das Marketing, bis hin zum Spiele-Line-up.

Und doch läutet die Switch ein neues Zeitalter für Nintendo ein. Es ist auf den ersten Blick nur noch nicht ersichtlich. Grund ist Nintendos Marketingstrategie, die Switch vorerst als (tragbare) Heimkonsole anzupreisen. Das wird sich in absehbarer Zeit jedoch ändern.

Schon bald werden alle Ressourcen vom 3DS auf die Hybrid-Konsole verlagert. Dann ist die Switch nicht nur tragbar, sondern wird auch echte Handheld-typische Spiele bieten. Bereits auf der E3 2018 sollten wir erste Anzeichen einer solchen Verschiebung sehen. Noch wird der 3DS jedoch als günstige Alternative zur Switch vermarktet.

Die Switch könnte das Ende der für Nintendo typischen Zyklen bedeuten. Die Einleitung des Hybrid-Zeitalters. Ein Schachzug, der die Konkurrenz derzeit staunen lässt. Denn Microsoft und Sony haben trotz passender Verkaufszahlen keine echte Antwort auf die aktuellen Veränderungen der Videospielbranche. Wer hätte zu Zeiten der Wii U gedacht, dass gerade Nintendo diese parat hat.