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GermanDevDays 2017 – Treffen sich ein Komponist, ein Publisher, ein Indie-Entwickler, ein Professor, ein Spielejournalist…

4. März 2018 0 Von Kate

Die GermanDevDays sind eine Spielekonferenz, auf der deutschsprachige Veteranen der Games-Branche und solche, die es noch werden wollen zusammentreffen und sich austauschen. Wie bereits 2016, als die Konferenz ihre Premiere feierte, fand sie auch 2017 in Frankfurt am Main statt. Die Anmeldungsphase für 2018 läuft gerade.

Das Rahmenprogramm bietet diverse Vorträge und Diskussionsrunden zu unterschiedlichen Themen. Daneben werden im Hauptsaal des Mainhaus Stadthotels jungen Entwicklern eine Plattform bereitgestellt, ihre Spiel-Projekte selbst zu präsentieren. Konferenzbesucher können sich vor Ort mit den Machern unterhalten und die kleinen Kunstwerke anspielen. Organisiert wird das Ganze von Publisher Assamble Entertainment und dessen CEO Stefan Marcinek, bekannt geworden als Gründer von Kalypso.

GermanDevDays-Alltag

Badge-Pickup – Kaffee – Gespräch: Kollege – Begrüßungsrede – mehr Kaffee – Gespräch: Entwickler – Vortrag – noch mehr Kaffee – Zocken – Vortrag – Kaffee! Fehler: Objekt nicht gefunden (alle Kannen leer) – Gespräch: Studenten – Ersetze “Kaffee” durch “Tee” – Vortrag  – Vortrag! Ungültiger Vorgang: Fehlendes Objekt “Kaffee” – Zocken – Gespräch: Entwickler – Freibier – Abschlussrede – Hotel – Party.

So lässt sich stereotypisch der Ablauf eines Konferenztages unter Spieleentwicklern, Studenten und anderen Mitgliedern der Games-Peripherie , wie Youtubern, Komponisten oder auch uns, der Presse, zusammenfassen.

Was macht eigentlich ein Game Designer und warum verdient er damit kein Geld?

Es war schon ein illustrer Kreis, der sich da hinter den Rednerpulten das Mikrophon weiterreichte. Zu den der Öffentlichkeit bekannteren Gesichtern dürfte das von Mikkel Robrahn gehören. Er gab seinen Zuhörern einen Einblick in das Unternehmen, das hinter dem Youtube-Kanal PietSmiet steckt. Berühmtheit innerhalb der deutschen Grenzen erlangte im April auch das Studio Mimimi Productions, das ihre Auszeichnung für das “Beste Gamedesign” beim Deutschen Computerspielpreis kommentarlos ablehnte. Vertreten wurde das Studio durch Johannes Roth, der am Abschluspanel teilnahm. Seine Kollegen Moritz Wagner und Florian Smolka hielten einen Vortrag über die Entwicklung von Shadow Tactics.

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Abschluss-Talk: v.l.n.r. Stephan Reichart (Aruba Events), Tom Putzki (Wargaming), Teut Weidemann (I Teut You So), Linda Kruse (The Good Evil), Johannes Roth (Mimimi Productions)

Diese und andere Namen dürften außerhalb der Gaming-Branche kaum bekannt sein. Genau sowenig die der echten Branchen-“Schwergewichte” wie Sven Vößing, der nicht ganz selbstironisch zu einer Rede über Plus-Size-Videospielfiguren ludt. Oder Tom Putzki, Director of Communications für Europa beim Spielegiganten Wargaming, Computerspiel-Journalismus-Legende Gunnar Lott oder Teut Weidemann, einer der erste professionellen Spieleentwickler in Deutschland, der bereits seit den 80ern in der Branche wirkt. Die Liste ist lang. Und bunt.

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Jörg Mackensen von Toneworx gibt eine kurze Einführung in Sound Design, bevor er die Bühne für Komponist und Produzent Helge Borgarts wieder verlässt.

Nicht minder bunt war der Mix an Themen der einzelnen Vorträge und Diskussionsrunden auf den GermanDevDays. Mal fragend: “Was hat moderne Vermarktung mit einem guten Burger gemeinsam?” (Stefan Dettmering – ToLL Relations), “Wofür braucht man Publisher eigentlich noch?” (Tim Schmitz – astragon Etertainment GmbH), mal antwortend: “Wir sind Plattform-Bitches!” (Christopher Kassulke – Handy Games), mal berichtend: “Montreal is Calling: Einblicke in die Zusammenarbeit mit internationalen Studius am Beispiel von For Honor” (Philipp Sonnefeld – Ubisoft Blue Byte). Vom Nähkästchen-Plausch über Storytellings bis zur Büchse der Pandora der Finanzierungsproblematik referierten die Vortragenden bereitwillig über ihren reichen Erfahrungsschatz.

GermanDevDays 2017: Die Spiele

Zwölf Austeller aus unterschiedlichen Regionen in Deutschland nutzten die Chance, ihre Projekte dem Fachpublikum zu präsentieren. Die meisten von ihnen hatten universitären Hintergrund. Das heißt, es handelte sich um Studentenprojekte oder ehemalige Studentenprojekte, aus denen sich kleine Indie-Entwicklerstudios gegründet haben, um die im Studium begonnene Arbeit fortzuführen. Und die Konferenz-Besucher waren offensichtlich sehr neugierig auf die neue Generation Spielentwickler und ihre Produkte. Denn selten fand man einen Stand leer. Daher ist es uns leider nicht möglich gewesen, jedes der Spiele ausführlich anzutesten. Immerhin mussten wir uns auch noch ein paar der Vorträge anhören und ließen auch einmal für ein ausführliches Gespräch alles stehen und liegen.

Auch für die jungen Entwickler nahmen wir uns viel Zeit und konnten uns direkt ein paar Insider-Informationen sichern – die wir aber leider noch nicht weitergeben können. Was wir verraten können, ist, dass jedes einzelne der Spiele, die wir angetestet haben, sehr vielversprechend aussah. Darunter zum Beispiel Will Glow the Whisp. Ein richtig bockschwerer Geschicklichkeits-Plattformer mit eingebauten Physics, den wir gerne sofort mit nach Hause genommen hätten, um unsere Skills weiter zu trainieren. Man tritt hier nämlich später einmal in jedem Level gegen einen “Ghost” an: den Spieler, der aktuell die Bestzeit abgeliefert hat.

Zwei Stände weiter wurde uns mit Itorah – Forst of Tonantzin von Grimbart TALES (ursprünglich ein Studentenprojekt der Hochschule Kaiserslautern) nicht minder ausführlich ein 2D-Action-Adventure vorgestellt. Die namensgebende Protagonistin, ein junges Mädchen, muss sich durch eine plötzlich  menschenleere Welt voller Gefahren kämpfen. Gemeinsam mit ihrem Gefährten, einer sprechenden Waffe, gilt es herauszufinden, was passiert ist und wie sie in dieser feindlichen Umgebung gelandet ist. Um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, besitzt das Spiel eine zweite Ebene. Diese ist  in der Vergangenheit angesiedelt, stellt einen weiteren Protagonisten vor und ist storylastiger als der actiongeladene Zukunftsteil.

Wieder einen Platz weiter konnte das einzige VR-Game angetestet werden: Viking Rage. Dieses ist seit dem 28. April auf Steam verfügbar und wurde von Publisher Headup Games veröffentlicht. Es handelt sich dabei um ein Tower-Defense-Spiel, das vom Gameplay stark an das Bogen-Mini-Game aus The Lab von Valve erinnert. Macht aber deshalb nicht weniger Spaß. Und für ein Studentenprojekt (SAE Institut Köln) eine wirklich respektable Leistung.

Wieder ein ganz anderes Genre soll einmal Ad infitnitum bedienen. Alleine das Setting überzeugt: Der 1. Weltkrieg als Horror-Survival-Game inszeniert. Den Entwicklern von StrixLab ist es wichtig, keinen Standard-Shooter abzuliefern. Fast alles, was man in der Welt sieht oder macht, hat irgendeine tiefere Bedeutung in diesem merkwürdigen Paralleluniversum (oder Traum?), wo die Gesetze der Physik und der Logik öfter einmal auf den Kopf gestellt werden. Daher ist der wichtigste Begleiter ein Buch, das gleichzeitig als Inventar fungiert. Hier sammelt ihr ein Arsenal von Wissen, das euch im Spiel weiterbringt, um das Rätsel zu lösen, wer ihr seid und was euch hierher brachte. Waffen gibt es keine.

GermanDevDays 2017: Fazit

Spielentwickler, (Selbstdarstellungs-)Künstler, Studenten und Journalisten trinken verdammt viel Kaffee! Und Bier! Tatsächlich ist so ein Vortrags-Marathon ganz schön anstrengend und bisweilen ermüdend. Aber der Informationsgewinn, den man daraus mitnimmt, ist die wundgessessenen Pobacken wert! Besonders fruchtbar sind aber die Gespräche mit den (Jung-)Entwicklern. So tief die Einblicke in die Games-Branche durch die Reden und Diskussionsrunden sind, so persönlich und noch substanzieller sind sie durch den direkten Austausch.

Ich bin gespannt, welches der präsentierten Indie-Spiele seinen Weg in die Veröffentlichung macht und ob es eines dieser Studenten-Start-Ups eines Tages zu einem großen Entwicklerstudio bringt. Besonders aufregend war für mich der persönliche Kontakt zu den Mitarbeitern von Deck13, die spätestens mit ihrer Beteiligung an Lords of the Fallen international namentlich bekannt sind. Und eben vor vielen Jahren auch einmal ganz klein mit Projekten wie ihrer Ankh-Serie angefangen haben.

Die GermanDevDays sind rundherum eine gute Sache. Nicht nur für den Austausch im Innern, sondern auch, um die deutsche Games-Branche nach außen zu stärken. Wenn die Unterstützung durch die Polik in Sachen Fördergelder weiterhin so problematisch ist,  ist es ein guter Ansatz, sich mit einer GermanDevDays Förderstiftung einfach selbst zu helfen. Und eines fernen Tages erwacht vielleicht auch Deutschland aus seinem Dornröschenschlaf. Dann werden die Gelder wie Milch und Honig fließen, Spiele werden als Kunst, Entwickler als Künstler anerkannt und wir leben alle in einer kunterbunten virtuellen Pixel-Traumwelt. Das wird nur hoffentlich nicht mehr 100 Jahre dauern. Auf dass die oben formulierte Überschrift nicht der Beginn eines Witzes ist, sondern von etwas ganz Großem! Prost!

Übrigens: Die GermanDevDays finden dieses Jahr am 23. Mai und 24. Mai wieder im Saalbau Gallus in  Frankfurt am Main statt. Wer sich das nicht entgehen lassen möchte, kann sich jetzt noch für die GermanDevDays 2018 anmelden.

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Die Veranstalter und andere gönnerhafte beteiligte Firmen haben sich nicht lumpen lassen und neben dem Abschluss-Freibier und dem Kaffee am Morgen auch eine komplette Grillparty am ersten Abend spendiert.